3. Tour ins Zillertal

Das Rollern in den Alpen macht wahnsinnig Spaß. Deshalb starteten wir (mein Vater und ich) am 27.07.2001 zur 3. Tour ins Zillertal. So wurde mein Roller, gerade mal 5 Tage alt (habe schon wieder einen neuen), in Hildesheim um 23 Uhr gemeinsam mit einigen anderen Zweirädern und einem PKW auf einen Autohänger der Bahn geschnallt. Wir hatten uns entschlossen, mal den Autoreisezug auszuprobieren, anstatt stundenlang auf der Autobahn zu fahren. Kurz nach Mitternacht kam dann der Zug aus Hamburg, wir stiegen ein und der Autohänger wurde angekoppelt. Und los ging die Reise nach München-Ost. Es war unheimlich warm und schlafen konnte man kaum. Gegen 8 Uhr waren wir dann in München. Über die A7 ging es dann Richtung Holzkirchen. Von dort weiter am Tegernsee vorbei und über den Achenpass ins Zillertal . Wir haben es gemütlich angehen lassen und so waren wir pünktlich zum Mittag bei unseren Bekannten in Schlitteres. Nachdem gegessen und die Roller „entladen“ waren hat mein Bett ganz laut gerufen. Am Nachmittag trudelte dann auch meine Mutter per Bahn in Jenbach ein (sie war per ICE am Morgen in Göttingen gestartet).

Am nächsten Vormittag haben wir erst mal eine Fahrt durch das Zillertal unternommen. Über Zell a.Z. und Mayrhofen fuhren wir nach Hintertux. Dort tummelten sich wieder nur die Skifahrer, die auf dem Gletscher „Wintersport“ betrieben. Ansonsten war da nichts los, so dass wir bald wieder den Rückweg antraten. Nach ein paar Umwegen waren wir schließlich wieder zurück in Schlitters. Am Nachmittag habe ich alleine noch eine Runde gedreht. Am Inn entlang fuhr ich nach Rattenberg (sehenswerte uralte Stadt) und weiter nach Kundl. Dort ging es über den grauen Inn (nein, diesmal war er nicht grün. Durch die Hitze taute es ordentlich im Hochgebirge und viel Dreck kam mit runter). Auf der anderen Innseite ging es über Kramsach, Jenbach und Vomp nach Schwaz und wieder durch den Brettfall-Tunnel ins Zillertal. Es war zwar nur eine recht kurze Strecke, aber ich war kurz vor einem Hitzeschlag. Aber schön war´s.

Am Montag stand die erste größere Tour auf dem Programm. Über Zell a.Z. ging es aufwärts zum Gerlos-Pass. In diesem Jahr wollten wir mal die maut-pflichtige Gerlos-Alpenstraße benutzen, anstelle der sehr idyllischen alten Straße. Für 50 ATS pro Roller durften wir auf das Hochplateau fahren und natürlich auch wieder runter. Von einem Aussichtspunkt hatten wir einen herrlichen Blick auf die Krimmler Wasserfälle, die wir in diesem Jahr aber nicht besuchen wollten. Im Salzach-Tal fuhren wir weiter über Mittersill nach Zell am See. Dort verfranzten wir uns zunächst schön (die Beschilderung ist in Österreich recht besch... Man muss sich auskennen, um aus den Schildern schlau zu werden). Vom Zellersee sahen wir nicht, da die Straße durch einen Tunnel verläuft. Über Saalfelden fuhren wir nach St. Johann, wo wir an einem Kreisel wieder ratlos die richtige Richtung suchten. Irgendwie stimmte die Nummer der Bundestrasse auf der Landkarte nicht mit der tatsächlichen Nummer überein und mehr als eine Nummer stand da nicht. Aber schließlich fanden wir doch den richtigen Weg nach Wörgl und wieder zurück ins Zillertal, wo wir am späten Nachmittag wieder eintrudelten.

Dienstag Morgen kribbelte es mir schon wieder in den Fingern und ich fuhr zum Achensee hoch. Unterwegs überholte ich die qualmende Zahnradbahn, die gerade den Berg rauf dampfte. Ich fuhr weiter in den Ort Pertisau, wo ich die berühmt berüchtigte „schwarze Salbe“ kaufen wollte. Das ist die beste Salbe gegen alle möglichen Entzündungen, Verletzungen, etc. die es gibt. Sie wird aus Steinöl hergestellt und war bis vor wenigen Jahren pechschwarz. Die Farbe hat sich zwar geändert, aber der Gestank ist geblieben. Aber hilft super. Auf dem Rückweg traf ich die Dampflok wieder – vor dem Hintergrund des in türkis leuchtenden Achensees. Zum Mittag war ich dann wieder „zu Hause“. Am Nachmittag fuhren wir wieder gemeinsam los. Diesmal in den Ort Brandenberg. Ein Dorf, dass sich auf einem Hochplateau östlich des Achensees befindet. Alleine die Auffahrt ist grandios. Rechts Felsen und links tiefer Abgrund. In Brandenberg suchten wir das Atzl-Riff, das wir schon einmal vor etlichen Jahren besucht hatten. In diesem unscheinbaren kleinen Gebiet gibt es Versteinerungen in Hülle und Fülle. Man hat fast eher eine Versteinerung als einen normalen Stein unter dem Fuß. Anschließend kühlten wir uns an der Brandenberger Ache (eine recht breiten Gebirgsbach) noch etwas die Füße, bevor es wieder abwärts ging.

Am nächsten Morgen musste ich mal etwas früher aus den Federn, denn wir wollten mal nach Italien fahren; genauer gesagt nach Meran. Über die Bundesstraße fuhren wir also nach Innsbruck (wir wollten kein „Pickerl“ für die Autobahn kaufen) und von dort über die alte Brennerstraße unter der Europabrücke zum Brenner. Außer verlassenen Grenzgebäude war da nichts zu sehen. In Sterzing (Vipiteno) bogen wir dann ab, um über den Jaufenpass zu fahren. Ein Spaß für jeden, der gerne Kurven fährt. Über die Serpentinen erreichten wir schließlich den Pass in 2094 m Höhe. Dort war die Temperatur noch sehr angenehm, aber je tiefer wir kamen, um so heißer wurde es. In St. Leonhard war es sehr warm und als wir in Meran eintrafen fühlten wir uns wie im Backofen. Nach einer kurzen Irrfahrt fanden wir einen schattigen Parkplatz in der Näher der Innenstadt, die wir dann zu Fuß erkundeten. Am Etsch-Ufer ruhten wir uns etwas aus und aßen eine Kleinigkeit. Es war aber so unerträglich warm, dass wir uns schon bald entschlossen, wieder zu rollern. Also ging es zurück nach St. Leonhard und diesmal nicht über den Jaufenpass, sondern über das Timmelsjoch. Gut, dass wir vorher getankt hatten, denn nun ging es hoch und höher. Irgendwann war die Baumgrenze erreicht, aber kein Ende der Straße war zu sehen. Gegen diese Kurven war der Jaufenpass gar nichts. Einige Kehren waren so eng, dass man selbst mit einem Zweirad Schwierigkeiten hatte, um die Ecke zu kommen. Außerdem war der Abgrund auch immer sehr nah, denn lediglich eine ca. 30 cm hohe Steinmauer begrenzte die Straße. Schließlich konnte man den Gipfel erkennen und Schneefelder säumten die Straße. Das es eigentlich Hochsommer war, konnte man hier vergessen. Auf 2509 m ü.N.N. war dann endlich Schluss. Nun ging es endlich auch mal bergab ins Ötztal. Und kaum ist man in Österreich, schon wird man wieder zur Kasse gebeten, wenn man nicht die gleiche Strecke zurückfahren will (immerhin gab´s einen Sticker dazu). Über Sölden fuhren wir nach Längefeld, wo wieder weit und breit kein Schild stand. Aber diesmal war das gut. Bei der Frage nach dem richtigen Weg empfahl uns jemand, ab Ötz nicht direkt nach Innsbruck zu fahren sondern über Kühtai. Gesagt getan, also wieder einen Berg rauf (2017 m). Herrlich ruhig war es in dem Wintersportort Kühtai und nur ein paar Kühe flanierten über die Straßen. Diese Strecke war wirklich sehr gut zu fahren und schon bald waren wir in Innsbruck. Gegen 21 Uhr kamen wir dann auch in Schlitters an. Kurz noch Duschen und schon wurden die Augen immer kleiner.

Am Donnerstag ließen wir die Roller zunächst in Ruhe und wanderten etwas. Erst am Abend brachen wir zu einer weiteren Tour durch das Zillertal auf. Unser Weg führte in Richtung Schlegeisspeicher. Wir kehrten aber vorher um, da wir diese Talsperre vom letzten Jahr kannten und uns nur wieder die Schillinge aus der Tasche gezogen wurden, wenn wir dorthin wollten. Zurück sind wir über Finkenberg gefahren. Da war der Bär los. Zwei Tage vor dem Open-Air-Konzert der Zillertaler Schürzenjäger in deren Heimatort (30.000 Besucher), war das ganze Dorf wie eine große Disko. Die umliegenden Wiesen wurden als Camping-Plätze genutzt und noch Kilometer weit weg standen Zelte, Wohnwagen, usw. War echt eine super Stimmung dort.

Am Freitag wurden wieder die Klamotten gepackt und gegen 17:30 Uhr fuhren wir los in Richtung München. Je näher Deutschland kam, desto dunkler wurden die Wolken. Kurz hinter Tegernsee sahen plötzlich die Bäume so zerrupft aus und Laub lag am Straßenrand. Das wurde immer schlimmer. Irgendwann waren alle Flächen grün vor Laub und auch Hagelkörner gesellten sich dazu. Es wurde immer kälter und irgendwann ging es nicht weiter. Die Feuerwehr machte per Radlader erst eine Straße wieder frei. Uns wurde klar, dass wir kurz nach dem schweren Unwetter in diese Region gekommen waren. Golfballgroße Hagelkörner lagen auf den Wiesen, die Wälder waren fast kahl, Autos hatten zerbeulte Dächer und gerissene Windschutzscheiben und auf der Straße lag zentimeterhoch „Blatt-Matsch“ (mein Roller stank wie ein heißgelaufener Garten-Schredder). Aber schließlich ging es doch weiter und wir kamen am Münchner Bahnhof an. Dort trafen wir auch einen Hildesheimer Motorradfahrer, der zufällig auch im gleichen Abteil war. Kurz vor 22 Uhr ging es dann los in Richtung Hildesheim, wo wir gegen 5 Uhr ankamen. Abladen und nach Hause fahren – um 7 Uhr waren wir nach rund 1400 km wieder in Höxter. Bis 12 Uhr habe ich dann erst mal getestet, ob mein Bett immer noch so bequem war.

Es war wieder eine tolle Fahrt und wir fahren sicher wieder in die Alpen.

 

Die Lok der Achensee-Bahn Jaufenpass
Jaufenpass Jaufenpass
Jaufenpass Jaufenpass
Timmelsjoch Timmelsjoch
Timmelsjoch Timmelsjoch - das weiße ist Schnee!
Timmelsjoch Timmelsjoch
Timmelsjoch - Blick ins Ötztal (und zufällig mein Vater im Spiegel) Unwetter am Tegernsee (Bild habe ich geklaut)